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Schwester auf Station bitte…!

Und da kam es doch soweit.

Am Sonntag vor einer Woche hatte ich zum 4 Mal innerhalb von 14 Tagen extrem heftige Oberbauchschmerzen und ich hatte meiner Familie versprochen, dass ich dann in die Notaufnahme gehen und wenn nötig auch im Krankenhaus bleiben würde, bis die Sache geklärt und mir damit geholfen wäre.

Nun das ganze entpuppte sich als ein atypischer Verlauf mit kuriosen Blutwerten, seeeeeehr langen Wartezeiten, ungeeignetem schlechten Essen und der Besinnung auf Geduld und Achtsamkeit, zusammen mit der Erkenntnis, wie dankbar man für all das sein sollte was man eigentlich schon hat!♥

Doch fangen wir von vorne an.

Es ist wie bereits erwähnt Sonntag der 27.09. Zum Mittag hatte ich Dinkelnudeln, mit Salz&Pfeffer, Kräutern und einem groooßzügigen Schuß Olivenöl gegessen – ich erwähne das, da es noch von Bedeutung ist. Es vergingen so 1-2 Stunden, bis durch einen anfänglichen Druck im Oberbauch wieder diese heftigen Schmerzen einsetzten. Nichtmal ein Telefonat mit meiner Mum konnte dieses Mal beruhigen und da die Schmerzen schon über 5 Minuten anhielten, packte ich notgedrungen auf die Schnelle ein paar Sachen in meinen Rucksack und lies mich von meinem Mann in die Notaufnahme fahren.

Dort angekommen (gegen 16 Uhr), versuchte mir eine Schwester vorne rechts am Handgelenk einen Zugang zu legen, was ihr nicht gelang. Ich: „Bitte legen sie ihn vorne auf den Handrücken. Da liegt er für längere Zeit gut und sie finden auch leichter eine Vene.“ Ein jüngerer, recht gereizter Assistenzarzt mit Migrationshintergrund (ich verstand ihn leider zeitweise schlecht und ich komm noch zu dem Thema, warum ich das hier erwähne, was ich sonst nicht tun würde) betrat den Raum und nahm den Krankenverlauf, so wie einige Informationen auf. Anschließend versuchte auch er einen Zugang zu legen. Ich wiederholte 2x “ Bitte legen Sie…!“ Er hörte nicht darauf und versuchte es an der rechten Unterarmseite MITTIG (!) und schaffte es nicht. Ich wiederholte wieder meine Bitte… was machte er, er legte den Zugang schräg in die rechte Armbeuge… Genau da, wo er NICHT langfristig liegen sollte – bitte merkt euch das ihr angehenden Ärzte/Pfleger/Fachpersonal. Es erfolgten Gaben von NaCl und Schmerzmittel. Er machte einen Ultraschall und fand, wie der Gastro, Gallensteine. Die Schmerzen liesen dieses Mal erst einige Stunden später nach.

Ja, Stunden! Denn ich lag dort insgesamt fast 8 Stunden in der Notaufnahme. Die Blutwerte zeigten eindeutige Entzündungszeichen. Drückte man die Klingel dauerte es fast 5 Minuten, bis jemand nach einem sah und das in der Notaufnahme. Als mir plötzlich schlecht wurde, betätigte ich die Klingel und meine nächste Erinnerung war, dass mich eine Schwester schüttelte, meinen Namen rief, meine Ohren wie verrückt sausten und der Assistenzarzt mit einem Blick auf das Blutdruckmessgerät nur sagte: „Sie hat nur geschlafen.“… Ähm wie, was wo? War ich weg? Wie geschlafen? Mir war doch gerade noch speiübel… Naja.. bewusstlos?

Mein Dauerblutdruckmessgerät zeigte mitunter Werte von 70/35 an und kam nie über 105/70. Der Herr Assistenzarzt wollte mich auch eigentlich schon entlassen, wenn nicht der wachhabende Stationsarzt in zurecht gewiesen hätte mit den Worten: „Sie sehen hier eine Patientin mit sichtlichen, noch ungeklärten Oberbauchschmerzen, Gallensteinen, stark erhöhten Entzündungswerten im Blut und einer bekannten Colitis Ulcerosa. Sie können doch so jemanden nicht entlassen! Wir nehmen sie auf die Innerestation auf. Das bedarf weiterer Klärung.“ Daraufhin kam dann noch eine andere Assistenzärztin, diese verstand ich wesentlich besser trotz Migrationshintergrund. Sie machte sich Sorgen und erklärte, neben nochmaliger Aufnahme der Krankengeschichte/-verlaufs, das sie für mich ein Bett in der Inneren besorgen würden – ich dennoch die Wahl hätte, da ich nach 5 Stunden Notaufnahme und Schmerzmittel keine Schmerzen mehr hatte.

Notgedrungen entschied ich mich doch dafür, dort zu bleiben – es half ja nichts. Ich bestand aber auf ein Einzelzimmer oder ein Isolierzimmer (wie beim letzten Mal). Einfach aus dem Grund, da ich, wenn ich Probleme mit dem Darm habe und sehr oft das Bad aufsuchen muss, es durchaus schon öfter vorkam, das ich es nicht halten kann und das ist unpraktisch, wenn noch 2-3 Leute im Zimmer sind, welche gerade das WC blockieren oder ich diese Leute nachts durch ständiges Laufen in ihrem Schlaf stören würde… zudem ist es für die Genesung und die Nerven zuträglicher, wenn man einfach seine Ruhe hat.

Gut, gegen 24 Uhr kam ich dann endlich auf die Innere und konnte die erste Nacht erfolgreich hinter mich bringen. Zumindest bis um 6.30 Uhr die volle Festbeleuchtung anging und man zum ersten Morgenappell (Blutdruck, Temperatur und Pulsmessung) geweckt wurde. 7.30 Uhr gab es dann das erste „Frühstück“, ich sollte jedoch nüchtern bleiben, vorerst. Um 8 Uhr kam die erste ärztliche Visite mit Dr. Mü und der Assistenzärztin, welche mich schon vor 2 Wochen in der Notaufnahme betreute, diese bestätigte meine Schmerzen und den letzten Besuch in der Notaufnahme. Es wurde wieder der Krankenverlauf abgeklärt und da die andere Assistenzärztin am Abend zuvor ein CT für diesen Tag und ein MRT für die darauffolgenden Tage angeordnet hatte, schüttelte der Dr. Mü den Kopf und sagte das wäre doch Mumpitz 2 solcher Untersuchungen zu machen, er ordne gleich ein MRT an – wann, das sei nun abzuwarten, aber nicht mehr heute. Daraufhin bekam ich ein „Frühstück“. Ich aß notgedrungen ein Brot mit auf Pflanzenfett basierendem Aufstrich.

Die Dame aus der Küche, welche jeden Tag die Essensbestellung aufnahm, war angesichts meiner „Bedürfnisse“ (vegan, kein Zucker, kein Weizen, kein Soja, vollwertig – am besten bio und frisch) sichtlich überfordert. „Ich kann ihnen gekochte Kartoffeln mit Spinat anbieten für den Mittag, was anderes hab ich leider nicht da.“ – Nun gut, dann eben das.

Die Kartoffeln, auch wenn totgekocht, waren garnicht mal so schlimm. Der Spinat war nicht vorhanden, dafür aber zäh gegarte Karotten. Diese erinnerten mich an Karotten, welche man zulange offen hat liegen lassen und welche sich dann wie Gummi biegen liesen. Somit blieben diese auch so auf dem Teller zurück.

Es wurde wieder Blut abgenommen und ich lernte den Stationsarzt Dr. O kennen. Dieser war, auch wenn nicht für die Gastro zuständig, einer der ersten Ärzte, welche ich für gut befand und mit welchem man auch vernünftig reden konnte. Er bemängelte zudem auch sehr stark das Krankenhausessen (er nähme sich lieber Essen von zuhause mit). Dieses sei überhaupt nicht für die Bedürfnisse der Kranken geeignet und müsse viel besser auf die einzelnen Krankheitsbilder abgestimmt sein. Man habe tatsächlich nur 3,50 € PRO TAG für jeden Patienten zur Verköstigung übrig! Das ist schon ein Skandal. Wie soll man da ordentliche Mahlzeiten kochen können.

Nachmittags wurde dann eine ältere Dame in mein Zimmer gebracht. Zuerst reagierte ich innerlich sichtlich genervt und verärgert. Versuchte mich dann aber meiner Höflichkeit zu besinnen und stellte mich vor. Ich blieb auch bis zum Schluss immer in höflicher Beraterhaltung, auch als es anstrengend wurde. Es stellte sich heraus, dass besagte Frau Frischkorn – ich musste sofort daran denken, dass das ein Zeichen war, das mir sagte ich solle endlich wieder Frischkornbrei frühstücken – eine sehr „redselige“ Person und mit fast 80 Jahren noch ganz „aktiv“ war. Sie würde sonst NIE soviel reden, aber ich sei ja so nett und würde so gut zuhören. Dabei redete sie während meinem gesamten Aufenthalt sicher 90% der Zeit und sogar mit sich selbst (auch nachts), ganz leise sprach sie ihre Gedanken aus. Leider litt sie auch an Panik- und Angststörungen, schnarchte sehr laut, mit beängstigenden nächtlichen Atemgeräuschen (welche ich dem Arzt mitteilte und dieser dies dankend in seinen Behandlungsplan mit aufnahm). Ihr Blutdruck ging immer täglich durch die Decke und erreichte Werte welche die 200/150 Marke sprengten, größtenteils psychisch bedingt. Das wisse sie angeblich, aber mögliche psychologische Hilfe (der Arzt äußerte die Empfehlung und wurde von ihr darauf hin übelst beschimpft als er wieder draussen war), wird sie garantiert nicht in Anspruch nehmen. „Man kommt ja nicht mehr raus aus der Psychatrie! Da landete eine Bekannte, welche sagte sie wolle nicht mehr leben und sich eine Wäscheleine um den Hals gelegt hatte.“ Auch Atemübungen und beruhigende Worte halfen bei Frau F nicht wirklich viel. „Sie sei halt nunmal so und wolle nur heim.“ Insgesamt verbrachte ich viel Zeit damit meine Zuhör- und Beraterfähigkeit bei besagter Dame zu üben, zu festigen und zu erkennen, wie wichtig doch eine psychologische Beratung bei sovielen Leuten sein würde.

Am Abend gabs Weizen-„Papier“brötchen mit Pflanzenmagarine. Davon hatte ich den Abend über Druck im Oberbauch und eine unruhige Nacht.

Zu meinem Leidwesen bekam ich an den ersten 3 Tagen je eine Infusion mit 100mg (!) Decortin – welche ich aber zum Glück nicht wieder ausschleichen muss. Zudem verabreichte man mir (vorsorglich) 3x täglich Novaminsulfon (Schmerzmittel). Ich trank hauptsächlich Pfefferminztee, aber da zu wenig. Man fragte auch nicht nach meinen Trinkgewohnheiten und verabreichte mir auch keine zusätzliche Flüssigkeit – was sehr fragwürdig ist bei kranken Patienten.

Die Nacht mit Frau F war anstrengend. Es war ständig laut, entweder sie oder Lärm vom Flur. Es war die ganze Zeit hell im Raum und es kamen des öfteren Pfleger*innen lautstark zur Tür rein um mal „kurz nachzusehen“. Des nachts hatte Frau F dann noch leicht erhöhte Temperatur (welche eigentlich von einer Entzündung am Bein kam). Dadurch wurde sofort eine Coronaverdachtsabriegelung vorgenommen und wir wurden isoliert. Was bei Frau F zusätzlich Panikattacken auslöste… Auch mein: „Ach, das ist nur eine Vorsichtsmaßnahme. Alles ist sicher gut.“ brachte da herzlich wenig. Diese wurde nach nochmaligem Coronatest aber wieder aufgehoben. Wer hätte das gedacht. Lieferte Frau F aber weiterhin Gesprächsstoff zum aufregen.

Es gab wieder 2 Scheiben Brot mit Pflanzenfettaufstrich zum Frühstück. Bei der Visite war diesmal Dr. Ma und der Stationsarzt Dr. O zur Stelle. Auch hier wieder nur allgemeine Beratung und der Hinweis, das die Blutwerte Entzündungen zeigen würden. Dr. O kam dann nochmals um Blut abzunehmen. Er teilte mir auch mit, dass die Blutwerte nicht schlüssig wären und alle 4 Ärzte (Dr. Mü + Ma + Schm + er) rätseln, was die Oberbauchschmerzen auslösen könnte. Ja, es gäbe Steine, das habe der Gastro Schm und der Assistenzarzt in der Notaufnahme eindeutig via Ultraschall festgestellt, aber in den Blutwerten sei das Bilirubin nicht erhöht (was für die Galle sprechen würde), jedoch andere Werte seinen zu hoch, als das es mir gut gehen könnte.

Nun was soll ich sagen?! Ich war natürlich auch überfragt und auch die 4 Ärzte waren es. Da teilte mir Dr. O mit, sie hätten noch 2 zusätzliche Gastrologen via Telefon um Rat gefragt, welche anderso tätig wären, mit gleichem Ergebnis – nämlich, dass sie sich nicht einig sind was denn nun die Ursache sein könnte. Somit fragte ich ihn, warum man dann nicht einfach zur sicheren Abklärung ein MRT machen würde, so wie es anfangs angeordnet war? Ich lag ja nun schon 2 Tage hier rum und wartete. Nun ich sei kein „akut, dringender“ Fall und es täte ihm sehr leid, wenn es nach ihm ginge hätte ich die Untersuchung schon gehabt. Gut, akute Schmerzen hatte ich nicht, aber ich belegte auch unnötig ein Bett, welches für dringendere Fälle frei sein könnte. Also hies es weiter warten und der Dame von nebenan zu hören.

Diese, und jetzt kommt das mit dem Migrationshintergrund, hatte sichtlich Freude daran JEDE*N, aber auch wirklich JEDE*N Pfleger*in welche das Zimmer betrat mit folgenden Worten zu begrüßen: „Ach, wo kommen sie (welches Land) denn her?“ „Sie sprechen aber schon gut deutsch!“ „Ach, dieser Dialekt. Ist das nicht schön, wenn man seine eigene Sprache noch sprechen kann.“ „Ich mag sowas ja so gerne!“ Und das meinte sie tatsächlich ersnt, nicht rassistisch oder böswillig, das merkte man sofort. Es war pure Neugierde. Doch nun weiss ich was VNN mit den störenden Fragen nach möglichen Migrationshintergründen meinte. Das waren so Frau F´s Hauptthemen, ihre Schmerzen/Ängste und wer aus welchem Land kam – und das traf so auf ziemlich 95% der Belegschaft zu. Was ansich ja sehr auffällig ist, aber wenn die Pfleger*innen ihre Arbeit gut machen und man sich auch verbal versteht, sehe ich da keine Probleme oder muss das auch noch extra ansprechen. Aber gut.

Nun weiter zu meinem Aufenthalt in dieser „Wartelounge“.

Mittags kredenzte man mir folgendes: der vermisste Spinat von (vermutlich) gestern, gekochte Kartoffeln und etwas das ein großes in viel Fett paniertes Brokkolipatty sein sollte (angeblich vegan). Dazu Tütenfertigsalat mit Fertigdressing.

Auch wenn mein Bauchgefühl mir sagte da passt was nicht und ich solle vorsichtig sein, (MENSCH! Yvonne.. hör doch gleich drauf beim nächsten Mal!) habe ich den Teller aufgegessen, der Salat blieb nach ein paar Bissen bereits stehen, den bekam ich nicht runter. Kartoffeln und Spinat waren ok, aber dieses fette Brokkoliding, dass führte schon ein paar Minuten nach dem Essen einen Blitzkrieg gegen meinen Magen-Darmtrakt… den ganzen Nachmittag hatte ich einen heftigen Druck im Oberbauch (dank Schmerzmittel, keine Schmerzen dabei).

Abends dann wieder 2 Scheiben Brot mit Pflanzenfettaufstrich….

Die Nacht war der Horror. Nicht nur das Frau F sichtlich unruhig und laut schlief, nein – ich hatte heftige Darmkrämpfe, Durchfall und musste x-mal das Bad aufsuchen. Am Ende bat ich um extra Schmerzmittel.

Nach einer kurzen durchwachten Nacht, wurde mir mitgeteilt ich solle doch bitte nüchtern bleiben (es war bereits Mittwoch), ich würde heute vermutlich das MRT bekommen. Die Standartvisite blieb aus und Dr. O kam für die tägliche Blutentnahme. Ich teilte ihm die Beschwerden meiner vergangenen Nacht mit und das ich das ohne zu überlegen auf das 3 Sterne Menü des Krankenhauses zurückführen würde bzw. dessen Auswirkungen auf den Darm und die „vermutliche“ Gallenblase/-steine. Er nickte besorgt und stimmte mir zu. Es sei gerade für meine derzeitigen Ernährungsbedürfnisse mehr als unpassend. Und auch wenn kein Bilirubin zu finden sei, die Bauchschmerzen durch das „fettige“ Essen würde wieder für die Gallensteine sprechen. Ich solle durchhalten und er kläre das mit dem MRT. Zudem erlaubte er mir, dass ich mir von außerhalb (dem Paradieschen) von meinem Mann Essen bringen lassen dürfe.

Oh war ich seelig! Endlich richtiges, gesundes Essen in Aussicht!

Doch noch musste ich ja nüchtern bleiben und las (sofern Frau F nicht redete) „Die 7. Geheimnisse der Schildkröte“* von Aljoscha Long und Ronald Schweppe.

Mittags sagte ein Pfleger, dass es heute vermutlich nichts wird, ich vielleicht sogar mit einem extra Termin fürs MRT nach Hause geschickt werden würde. Keine 2 Minuten später (der Pfleger war noch im Raum), schaute Dr. O mit einem „Daumen hoch“-Zeichen ins Zimmer, er habe einen MRT Termin heute für mich bzw. es würde „gut aussehen“. Also brachte mein Mann mir das erste Carepaket vorbei – schließlich brauchte ich ja nach dem MRT auch etwas zu Essen für den restlichen Tag.

Gegen 16.30 Uhr kam dann eine Schwester rein… mit einer Gabel… „Sie dürfen nun essen. Heute wird das leider nichts mehr mit dem MRT.“

*Seufz* Wenigstens hatte ich das leckere Essen nun vor mir und ich genoss jeden einzelnen Bissen! Wie gut so ein gesundes Essen einem tun kann!

Es gab einen Dinkelspätzle-Salat, mit Paprika, Apfelstückchen, frischer Zuccini und einem Hauch Lauch. Dazu ein Vollkornbrötchen mit selbstgemachter Linsencreme, Salat und Gurke. Ein Traum!

Und die Nacht? Die war vollkommen ruhig. Kein Mucks tat sich im Bauch und ich war froh darum.

Am nächsten Tag. Keine Visite, kein Frühstück. Ich sollte wieder nüchtern bleiben. Wir hatten mittlerweile Donnerstag. Dr. O nahm verhalten Blut ab und ich teilte ihm mit, dass ich dank dem guten Essen auch eine gute Nacht hatte – was den Bauch betraf und er freute sich darüber und bestätigte mich in meiner Annahme. Er fand es auch bemerkenswert, dass mein rechter Arm doppelt so dick war wie der linke. Vermutlich wegen den Wassereinlagerungen durch das hohe Cortison und die umständliche Lagerung. Es sollte aber den Zugang für das Kontrastmittel nicht weiter behindern.

Der Vormittag zog sich dahin und der Mittag verging auch. Mein Schwiegervater brachte mir das nächste Carepaket und war schon wieder auf dem Sprung. Der Nachmittag strich so dahin und ich dachte wirklich, heute wirds auch nichts mehr… doch da kam tatsächlich gegen 15.30 Uhr endlich ein Pflegertrupp, welcher mich in den Keller zum MRCP brachte. Endlich! Jetzt kann es nur bergauf gehen dachte ich mir! Auch musste ich dort nicht lange warten und legte mich auf die MRT-Liege. Man legte mir eine schwere Platte auf den Bauch, fixierte den Körper und legte mir zugleich den Anschluss an das Konstrastmittel. Vor dem Gerät und dem Mittel hatte ich keine Angst. Mit den Kopfhören war es auch garnicht sooo laut und ich versuchte so ruhig wie möglich zu atmen und zu entspannen. „Sie müssen richtig atmen. Wir machen das zusammen! EIN – AUS- EIN- AUS (im Stechschritt)!…“ ….“uuuund Luftanhalten!“ schallte es in meinem Kopfhörer. Meine Bauchdecke presste sich dabei unangenehm gegen die Brustplatte… „uuund nochmal..!“ Nach insgesamt 3×3 EIN-AUS und 3×3 Luftanhaltephasen, waren fast 40 Minuten vergangen und ich wurde aus dem Gerät rausgefahren. Ich war einfach nur k.o. , fix und fertig, mein Bauch tat weh, meine Lunge schmerzte, ich war hundemüde und mir taten alle Glieder wie. Ich fühlte mich so, als wäre ich nonstop 20km durch gelaufen und konnte mich kaum auf den Beinen halten, das hätte ich nicht gedacht. Der Röntgenassistent musste mich stützen und zu meinem Bett bringen. „Sie haben nicht richtig geatmet, das war viel zu ruhig! Deshalb hat es so lange gedauert.“ Oh tut mir leid, ich dachte ich sollte ruhig und entspannt atmen – mein Fehler.

Dankbar, das es vorbei war und extrem hungrig, aß ich eine Stunde später dann endlich ganz ruhig und entspannt mein Essen zu Abend.

Im Ofen gebackene Süßkartoffelscheiben mit leichter Nuss-Dattelhaube und süß-säuerlichem Mango-Dip, dazu Dinkelreis-Grünkornsalat + grünem Salat. EIN TRAUM!

Auch die Nacht verlief ruhig vom Bach her und ich harrte der Dinge die da kommen würden. Gallensteine? OP? Noch länger im Krankenhaus? Vielleicht finden sie ja etwas ganz anderes? Auch huschte ganz kurz der Gedanke an mögliche Krebsgeschwüre durch meinen Kopf. Doch diese wischte ich schnell beiseite.

Am nächsten Morgen frühstückte ich ein Vollkornbrötchen mit Linsenaufstrich vom Vortag und wartete auf die tägliche Visite. Die meiste Zeit verschlief ich in aufrechter Positon, da ich vom Vortag noch so hundemüde war. Da kam vormittags Dr. O mit einer anderen Assistenzärztin welche mir (Freitag) das Blut abnahm – jeden Tag aus der linken Armbeuge… Im Nachinein hätte ich mir den Zugang aus der rechten Armbeuge gleich am ersten Tag auf Station nach vorne auf den Handrücken verlegen lassen sollen. Was ich das nächste Mal auch tun werde! Schließlich ist mit permanent ausgetrecktem Arm zu schlafen und sonstiges zu verrichten sehr anstrengend und kompliziert. Zurück zu Dr. O und dem Befund vom MRCP.

Nun es gibt nichts… Keine Steine, keine entzündeten Gallengänge soweit ersichtlich. Nur eine leichte Entzündung der Leber. „Was ein kurioser Fall! Da lernt man nie aus. Ich vermute jetzt einfach, dass ihre Gallensteine von alleine abgegangen sind, daher auch die Schmerzen und der Druck im Oberbauch durch das fettige Essen. Da wir kein Bili gefunden haben, zeigt das ja auch, dass die Gallensteine nun weg sein sollten, was wiederum das MRCP bestätigt hat. Ich muss das mittags noch mit den ganzen Gastrologen abklären und auch ob noch eine Gallenblasenentfernung nötig wäre. Sonst könnten sie vielleicht sogar schon heute nach Hause.“

Uff…. auf der einen Seite war ich ziemlich erleichtert. Denn Steine hätten eine OP erforderlich gemacht und weitere Tage im Krankenhaus. Dr. O erklärte mir auch, dass die Chirurgen, wäre ich eine gesunde fitte Frau ohne CU, meine Gallenblase vermutlich bereits entfernt hätten. Da ich aber zu 4/5 einen vernarbten Darm habe und auch die Gefahr von bösartigen Verwachsungen mit möglichen Folgeschäden nach der OP größer sei, hätte man da besonders vorsichtig entschieden und sich erstmal dagegen ausgesprochen, jedenfalls bis das man sich 99% sicher gewesen wäre, das es die Gallensteine sein müssten – was aber wieder durch das Bili und dann durch das MRCP, nicht bestätigt wurde.

Auf der anderen Seite wäre es auch in Ordnung gewesen, sie hätten Steine gefunden, vielleicht sogar im Gang. Somit hätte man die Blase mitsamt den Steinen entfernt und es wäre „hoffentlich“ Ruhe gewesen.

Tja, nun kommt eben alles genau so wie es kommen soll. Und ich bin wiedermal für sovieles dankbar. Auch dafür, dass ich meine kleine Gallenblase behalten darf. Sie ist ja schließlich nicht umsonst dort und darf mich noch solange begleiten, wie es mir damit gut geht. Nun muss ich eben gut darauf aufpassen, dass ich nicht zu fett esse und auch keine zu großen Mengen auf einmal zu mir nehme. Auch genügend Entspannung ist wichtig und Stress möglichst zu vermeiden.

Mein Mann brachte mir daraufhin vorsorglich das Mittagessen und leistete mir eine Weile Gesellschaft. Wie sehr ich meine 3 zuhause vermisse! Endlich wieder mit den 2 Tigern kuscheln und meinen Mann in die Arme nehmen, purer Luxux und ein so großes Geschenk!

Zum Mittag gab es Salat, hauptsächlich Grün, mit ein bisschen Karotte, Gurke, Sprossen und unten ein Teil Reissalat mit Paprika, in Begleitung eines Vollkornbrötchens. Yammy!

Man teilte mir zudem mit, ich dürfe nach Hause, der Arzt müsse nur noch den Bericht (einer von mind. 8) schreiben.

Der Nachmittag verging. Der Zugang durfte endlich aus dem rechten Arm und ich konnte ihn zum erste Mal nach 6 Tagen endlich wieder beugen. Autsch!…. Gegen 16 Uhr tigerte ich dann zur Schwesternstation und traf auch auf Dr. O. Er ahnte schon warum ich so hoffnungsvoll rumlief. „Es tut mir wirklich leid. Freitags hab ich immer soviel zu tun und muss noch Berichte schreiben. Geben sie mir noch mind. 30 Min!“ Daraufhin fragte ich ihn, ob es auch möglich wäre den Bericht per Post zu schicken, ich bräuchte ihn ja nicht sofort und er könne sich dann damit noch Zeit lassen. Da viel ihm sichtlich ein Stein vom Herzen und er stimmte mir zu. „Dann schaffe ich es doch tatsächlich auch noch was zu trinken in der Zwischenzeit.“ witzelte er erleichtert. Hätte ich mal eher gefragt. Aber gut.

Ich rief also meinen Liebsten an und dieser brachte mich, mit einem kurzen Stop beim Paradieschen zum Einkaufen fürs Wochenende (Samstag war ja Feiertag) endlich nach Hause.

Was eine Erleichterung, was ein Glück. Nachts hatte ich endlich Ruhe (und auch tagsüber). Ich schlafe seit dem fast die ganze Nacht durch. Meinem Darm geht es wesentlich besser und in meinem Oberbauch verspüre ich nur ab und an einen leichten Druck und ein leichtes Unbehagen. Was auch noch von der Reizung durch die Steine und die Entzündungen kommen kann.

Nun esse ich wie gehabt meist Salat und Brötchen. Alles in Maßen. Auch vertrage ich Kaffee und naturbelassene Energieriegel von foodloose. Diese knabbere ich stückchenweise vor mich hin (für die nötigen Kalorien). Jeden Tag füge ich auch etwas dem Essen hinzu, was ich ausprobiere um zu sehen, ob ich es vertrage oder nicht z.B. Nudeln, Linsensalat, Krautsalat, Feige etc.

Und so geht es mir nun von Tag zu Tag etwas besser und ich gehe weiter meinen Weg.

Mein abschließender Befund lautete grob ausgedrückt: „Vermutliche Gallenkoliken mit Abgang der Gallensteine. Mit Empfehlung zur vorsorglichen Entfernung der Gallenblase bei weiteren Oberbauchbeschwerden. Ambulante Überwachung durch die Gastrologenpraxis.“

Das war also meine letzte Woche und mein Aufenthalt im Krankenhaus. Hoffentlich hab ich nun mal lange Zeit Ruhe von dem Ganzen!

Euch noch eine schöne Woche!

Liebe Grüße

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3 Gedanken zu „Schwester auf Station bitte…!“

  1. Wow. Ich habe mir alles komplett durchgelesen und mit dir mit gelitten! Es tut mir leid, dass es dir teilweise so unnötig schwer gemacht worden ist. Ich zb war noch nie in einem Krankenhaus, ich wäre durchgedreht an deiner Stelle, kann mit zb solchen Situationen wie ungeplanten Veränderungen, fremden orten, fremden Orten oder MRT etc überhaupt nicht umgehen und hätte vermutlich auch mehr als eine Panikattacke gehabt. Respekt!
    Ansonsten freut es mich, dass es nicht in dem Sinne eine OP notwendig ist und ich drücke dir weiterhin die Daumen und wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim Achten auf deine Ernährung etc! ❤

    Gefällt 2 Personen

    1. Vielen ♥ Dank, liebe Nadine!

      Das es dir ebenso schwer fallen würde, kann ich durchaus verstehen. Solch Situationen sind wirklich nicht einfach zu handhaben und selbst für hartgesottene keine leichte Aufgabe. Jeder geht auf seine eigene Weise mit diesen, leider oft unangenehmen, Phasen um und ich freu mich für dich, dass du zum Glück keinen Krankenhausaufenthalt benötigt hast und wünsche es dir auch weiterhin!

      Danke auch für deine lieben Worte und ich gebe weiterhin mein Bestes was die Ernährung betrifft.

      Hab noch eine schöne Woche!
      Liebe Grüße

      Gefällt 2 Personen

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