Gesundheit · Leben

Fortgehen, um heimzukommen..!

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Manchmal ist es schon seltsam mit dem „Zuhause sein“ und „heim kommen“… Jahrelang habe ich die Girnitz als mein ultimatives Zuhause betrachtet und auch jetzt noch ist es meine Heimat, aber es fühlt sich nicht mehr wie „Zuhause“ an. Es ist ein ganz eigenartiges Gefühl und schwer zu beschreiben.

Als ich mit 21 Jahren auszog und an verschiedenen Orten gewohnt habe, hatte ich immer das Gefühl dennoch in der Girnitz zuhause zu sein und als ich 2014 nach Langenselbold zog war es fremd für mich und erst als wir 2017 die Wohnung renovierten und sie auch „meinen Touch“ bekam, fühlte ich mich wohler, aber immer noch oft fremd und nicht richtig zuhause, sonder eher „auf Besuch“. Manchmal ertappte ich mich auf der Treppe hoch vom Keller zur Wohung bei dem Gedanken: „Mensch, du bist nun hier daheim und du bist verheiratet! DU gehörst zu DIESER Familie (die meines Mannes)!“ oder „Du darfst dich hier zuhause fühlen, du bist keine Fremde hier!“  So richtig angekommen war ich nur teilweise, zumindest habe ich es mir nicht erlaubt, warum auch immer? Dann im nächsten Moment, in welchem ich das was ich nun habe realisierte, war ich unheimlich dankbar und lächelte – oft umarmte ich dann spontan meinen Mann und sagte ihm wie sehr ich ihn liebe und wie dankbar ich ihm für alles bin, ganz zu seiner Freude. *lacht*

Doch wie komme ich nun darauf?

Nun bin ich schon die 3. Woche krank geschrieben und das tut mir wirklich gut, kurioser weise. Denn das einzige was ich mir im Moment wirklich wirklich wünsche ist :

 

RUHE & ZEIT

 

Normalerweise wäre ich ja am 2. Wochenende bei meinen Eltern gewesen und hatte dafür Urlaub beantragt, nun da ich schon früher krankgeschrieben wurde, fuhr ich am ersten Wochende zu meinen Eltern – nicht um „Urlaub zu machen“, sondern weil es mir bis jetzt IMMER besser ging, wenn ich bei meiner Mum bzw. bei meinen Eltern und vorallem in der Girnitz war. Das war immer MEIN Ruhepol und ich konnte dort immer einen Ort der Genesung für mich vorfinden.

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Gerade jetzt im Herbst ist es dort wunderschön im Wald. Das Bild oben ist nicht gemalt und wurde ohne Filter aufgenommen. Ich liebe den Herbst, vorallem in Wald und Wiese.

Doch diesesmal war es wirklich anders. Ich fand dort einfach keine Ruhe, konnte nicht richtig bis ganz schlecht schlafen und ich hatte HEIMWEH! Oh, sogar ganz fürchterliches Heimweh. Morgens am Frühstückstisch fing ich bei meiner Mum sogar an zu weinen und ich bin ihr sehr dankbar dafür, dass sie immer für mich da ist. Ich vermisste mein „Zuhause“ in LS, meinen Mann, meine Katzen und unseren/meinen Alltag, unsere Routine vorallem am Abend…. mein Gott, ich vermisste sogar den Kaffee nach dem Abendessen und das gemütliche auf unserer Couch sitzen und gemeinsam Supernatural im TV schauen…

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Wir wollten Wandern, wir wollten in Kelheim Schifffahren, wir wollten im Nudelbrett essen…. aber an dem Wochenende kam alles anders. Freitags gingen meine Mum und ich noch etwas in Regensburg bummeln und am Abend gab es eine Gemüselasagne (dafür war ich sooo dankbar!). Sie schmeckte herrlich und ich hatte diese Lasagne von meiner Mum so vermisst. Es ist auch mal richtig schön, wenn jemand anderes für einen kocht.

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Die Lasange bestand aus Bio-Platten (Hartweizen), Bio Tomatensoße, Karotten, Fenchel, Mais, Erbsen und Zucchini.

Ich habe sogar 2 Tage davon gegessen und mir den Rest mit nach Hause genommen.

Ob ich die Lasagne nicht vertragen habe, oder ob da einfach die Psyche mir einen Streich gespielt hat – ich weis es nicht. Vielleicht beides? Jedenfalls ging es mir schon am ersten Tag darauf schlechter.

 

 

Für den Abend kündigte sich Besuch an, hier ganz liebe Grüße an E und A aus Berlin, (es war mir ein Freude mit euch zu reden, auch wenn ich vermutlich etwas „abwesend“ gewirkt habe) und dazu kamen leider nur recht kurz, meine beiden Onkel. Leider muss ich auch sagen, dass ich den Besuch nicht so genießen konnte, wie ich gerne wollte… oft musste ich mich kurz davon stehlen, da mich mein Bauch sehr gequält hat und ich nicht vor versammelter Mannschaft pupsen wollte… und das ziemlich oft. Auch wäre ich gerne auf die Toilette gegangen, aber da das Haus wirklich sehr hellhörich ist und man wirklich alles hören kann… habe ich es mir so gut es geht verkniffen. Also stiefelte ich öfter nach draußen in die Nacht oder in den Keller, dort schürte ich den Holzofen  und hängte Wäsche auf und die Winde wehten vor sich hin… *seufz*

Am Abend ging ich mit meiner Mum noch eine große Runde spazieren, wir redeten sehr viel, was mir wirklich sehr gut tat. Nur nach etwas 1km bergab gehen, bekam ich wieder Schmerzen im rechten Knie… Damals in Italien, als wir den Monte Baldo hinabgelaufen sind, habe ich mir wohl das rechte Knie kaputt gemacht …wer hätte gedacht, was falsches Schuhwerk alles zerstören kann… und dann auf der Großen Schachtentour am Ende als es ziemlich lange bergab ging… kamen sie die Schmerzen aus der Hölle… Bei jeden Schritt dachte ich mir „Jetzt ist es soweit, jetzt reissen die Kniebänder…“ Oh ich bin tausend Tode gestorben und konnte mir kaum die Tränen verkneifen… Seit dem vermeide ich lange Strecken abwärts.

Wie dem auch sei. Auch die Bewegung an der frischen Luft den ganzen Tag über, konnte mir keine Linderung verschaffen und so beschloss ich, statt 3 Nächte nur 2 zu bleiben und fuhr am Sonntag wieder nach hause ….ja, ich fuhr nach HAUSE. Und es tat soo gut! Endlich war ich daheim! Und am Montag ging es mir schlagartig besser, kein Bauchzwicken mehr und keine Quälerein im Darm – ich war einfach nur glücklich.

Bis zum Abend… da erhielt ich die Nachricht, dass es meiner besten Freundin nicht gut geht und die Nacht darauf konnte ich wieder nicht schlafen – ich lag bis um 4 Uhr wach und grübelte über alles mögliche und unmögliche – auch Blut fand sich wieder bei meinen Badbesuchen und es war einfach nur eine Torture.

Zum Glück, dachte ich mir, habe ich am nächsten Tag einen Termin bei meiner Psych. Dort gingen wir nochmal alle Ereignisse durch und sie meinte wirklich, ich solle lernen mich abzugrenzen. Ja, Mitgefühl und Anteilnahme sind gut, aber MITLEIDEN muss ich nicht. Ich soll differenzieren zwischen IHR und MIR oder ANDEREN und MIR. Auch solle ich Abstand von der Arbeit nehmen und mich mehr auf das konzentrieren, was ich persönlich für MICH will ( arbeiten / lernen / trainieren ).

Kaum war ich draußen, kam eine Nachricht von meiner Freundin… der schlimmste Fall war eingetreten und sie weinte ganz bitterlich und bei mir ging sofort das Kopfkino los. Zwar konnte ich in dem Moment stark für sie sein und die hoffentlich richtigen Worte finden, auch dass ich für sie da bin, aber innerlich war ich doch überfordert. Ich soll mich emotional abgrenzen, aber dennoch für sie da sein? Wie jetzt? Und ich welchem Maße? Da kamen auch mir die Tränen und ich wusste erstmal nicht was ich machen sollte. Mein erster Impuls war, sofort hinfahren und sie in den Arm nehmen, aber ich besann mich und ging nochmal zurück in die Praxis. Der Rat meiner Psych. war dann wie folgt: Frag sie, was sie möchte! Wenn sie will, dass du kommst, dann fahr hin, wenn nicht, dann schick ihr positive Gedanken und geh deinem Alltag (einkaufen, Mittagessen etc.) nach und gib ihr einige Zeit für sich selbst – SIE muss damit lernen umzugehen und SIE muss für sich selbst entscheiden, was sie tut (arbeiten gehen oder zuhause trauern, essen oder körperlich abbauen). Du leb DEIN Leben, nicht Ihres und nicht das der ANDEREN!

So fuhr ich also zum Einkaufen, dann nach Hause und versuchte meinen Alltag selbst so normal wie möglich zu gestalten, immer mit meiner Freundin im Hinterkopf, aber nicht gezwungen. Im Endeffekt bin ich dankbar dafür, dass es bei ihr so schnell ging, da sie sonst unnötiges Leiden mitansehem müsste und selbst vielleicht nochmehr gelitten hätte und dadurch vermutlich auch ich…

Heute war ich wieder beim Arzt und sie meinte, zwar würde das Blutbild ansich besser aussehen, aber sie würde mich gerne noch mind. eine Woche zuhause lassen – das würd ich sehr gern, aber ich fürchte der werte Herr Geschäftsführer sieht das nicht gern und könnte mir dann doch eine Kündigung aussprechen. Sollte mir eigentlich relativ egal sein, ist es dann aber doch nicht wirklich. *seufz* Auch habe ich Angst davor meine Freundin jeden Tag wieder zu sehen (klingt seltsam… ist leider im Moment aber so), und zu sehen, wie sie vielleicht vor Trauer noch mehr leidet, sich aufarbeitet, nichts isst und dann würde ich wieder mitleiden… jeden Tag oder mit den Augen rollen und mir meinen Teil denken.

Ich muss endlich Abstand gewinnen und meinen Weg selbst weiter gehen, beruflich und emotional…

 

Liebe Grüße

Signarita

 

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